| BAD HOMBURG. Wie so viele falsch gelagerten Filme verlor
das Zelluloid der "Fledermaus" zusehends an Farbenpracht:
Der Gesangsfilm über Liebe und Maskenbälle nach der Operette
von Johann Strauß rauschte, knisterte immer mehr und reduzierte
sich auf einen rotstichigen Streifen, der für das Fernsehen untauglich
war. In einer seltenen Rettungsaktion wird der Film nun in Bad Homburg
mit Hilfe digitaler Techniken restauriert. "Der Film war eigentlich
in einem erbärmlichen, ja jämmerlichen Zustand", berichtet
Hans-Wolfgang Jurgan, Geschäftsführer der ARD/Degeto (Frankfurt),
die für die ARD Filme einkauft. Der in der Endphase des Krieges
in Prag zu Ende gedrehte Film (Regie: Geza von Bolvary) ist ein sogenannter
Überläuferfilm: Noch in der Nazi-Zeit abgedreht, in Bunkern
deponiert und erst nach Kriegsende fertig geschnitten und aufgeführt,
fiel der Film den sowjetischen Besatzern in die Hände.
Als die Degeto 1984 die TV-Rechte an der "Fledermaus"
erwarb und den Film im Fernsehen einem Sechs-Millionen-Publikum
zeigte, war der Sehgenuss stark beeinträchtigt. Doch dann kam
im einstigen Filmarchiv der DDR in Berlin eine Kopie mit russischen
Untertiteln zum Vorschein. Ein Dreierbündnis fand sich für
die Rettung zusammen: die in Wiesbaden ansässige Friedrich
Wilhelm Murnau-Stiftung als Lizenzinhaberin, die ARD/Degeto als
Lizenznehmerin und die Postproduktionsfirma bibo tv mit ihren Experten
für die digitale Nachbearbeitung von Filmen.
"Es war eine Schnapsidee", erinnert sich Werner Bibo,
der Geschäftsführer. Der von der DDR archivierte "Fledermaus"-Film
war ebenfalls in schlechter Verfassung, doch hatten sich die Originalfarben
noch nicht völlig verflüchtigt. "Aus zwei mangelhaften
Kopien galt es, mit digitaler Technik eine neue, bessere herzustellen",
berichtete ARD/Degeto-Verantwortlicher Marc Schröder auf dem
Filmfachkongress "eDIT", der am Dienstagabend in Frankfurt
zu Ende ging.
Bild für Bild wurde das unterschiedliche Material zusammengebracht,
Schrammen, Schmutz und anderes mühsam per Computer bereinigt,
flackernde rötliche Grauwerte "beruhigt", um sie
dann mit den Farben aus der DDR-Kopie Bildelement für Bildelement
wieder aufzupeppen. "Die Charakteristik eines alten Filmes
sollte aber nicht abhanden kommen", sagt Bibo. Am Ende sind
dann noch zehn bis fünfzehn Minuten pro Bild nötig, um
die russischen Untertitel wegzuretuschieren.
Drei, vier Monate werden die Bad Homburger Fachleute noch benötigen,
um "Die Fledermaus" wieder für eine Fernsehausstrahlung
hergerichtet zu haben. Seit einem halben Jahr sind sie schon am
Werk. Welche Kosten sich die Beteiligten teilen müssen, wissen
sie noch nicht.
Bei der "Fledermaus" wollen sich alle besonders ins Zeug
legen: Denn es gilt, den bald 98-jährigen Heesters mit der
neuen Kopie zu erfreuen. "Ich hoffe, ich mache das noch mit.
Ich bin der einzige von damals, der den Film dann noch erleben darf",
sagt der Schauspieler.
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