Artikel erschienen im Dezember 2001 in der

Auszug: "Runderneuerung"

Höhepunkte des Edit-Kongresses waren die Auftritte von Johannes Heesters zusammen mit Lebensgefährtin Simone Rethel und der Oscarpreisträger Roland Emmerich und Volker Engel.
Heesters war wegen des Operetten-Films "Die Fledermaus" gekommen, der gerade aufwendig restauriert wird und in dem der 98-jährige Schauspieler in der Hauptrolle zu sehen ist.
Die Friedrich-Murnau-Stiftung ist Lizenzinhaber des 1944 in der Endphase des Krieges in Prag zu Ende gedrehten Streifens von Regisseur Geza von Bolvary. Zusammen mit dem Lizenznehmer, der ARD-Verwertungsgesellschaft Degeto und dem Produktionshaus und Nachbearbeitungsspezialisten bibo tv aus Bad Homburg, hat sich die Wiesbadener Stiftung entschieden, den sogenannten Überläuferfilm - er wurde noch unter den Nationalsozialisten gedreht, aber erst nach Kriegsende fertig geschnitten und dann in die Kinos gebracht - für weitere TV- und möglicherweise sogar Kinoaufführungen digital aufzupeppen. Auch an eine DVD-Verwertung ist gedacht, Anfang 2002 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan berichtete während der Edit, dass der nach wie vor in der ARD-Programmverwertung befindliche Film mit der Zeit u.a. wegen falscher Lagerung stark gelitten hat. Die ursprünglichen Farben waren weitgehend verloren, der Film sei stark rotstichig und auch der Ton lasse zu wünschen übrig. Weil "die Fledermaus" noch das eine oder andere Mal im Fernsehen gezeigt werden soll, anderseits in dieser Qualität dem Zuschauer heute nicht mehr zumutbar sei, habe man sich letztendlich für die, wenn auch teure, Restaurierung entschieden.
Der glückliche Umstand, dass im Bundesarchiv/Filmarchiv in Berlin noch eine zweite Kopie mit russichen Untertiteln zum Vorschein kam, die ursprünglich im Bestand des einstigen staatlichen Filmarchivs der DDR war und bei der die Farbqualität noch akzeptabel gewesen sei, habe es möglich gemacht, nunmehr ein besseres digitales Master zu fertigen. Der Prozess ist aufwendig, beispielsweise müssen die russischen Untertitel manuell Frame by Frame wegretuschiert werden, was laut Werner Bibo etwa 10 - 15 Minuten pro Frame dauert. Um aus den beiden Kopien eine Fassung mit möglichst ursprünglichem Charakter herzustellen, setzt Bibo ein selbst entwickeltes Verfahren ein.

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