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Frankfurt.
"Die Fledermaus" kehrt zurück im alten Glanz. Der
Ufa-Streifen von 1944 wird derzeit von der F.-W.-Murnau-Stiftung
Wiesbaden, der ARD-Degeto Frankfurt und der Studiebetriebsgesellschaft
bibo tv Bad Homburg mit Hilfe digitaler Technik restauriert. Die
Fernsehfassung des Musicals nach der gleichnamigen Operette von
Johann Strauß soll in drei bis vier Monaten fertig gestellt
sein.
Johannes Heesters, der die Hauptrolle in der Operettenverfilmung
spielte, ist begeistert angesichts der bevorstehenden Wiedergeburt
"dieses wunderbaren Filmes". "Der Film wird wiederkommen,
neu aufgeputzt, mit neuen Farben und neuem Ton. Ich hoffe, dass
ich das noch erleben werde", sagte Heesters bei der Präsentation
bereits restaurierter Filmausschnitte auf dem Fachkongress für
Film und Postproduktion "eDIT" im Kongresszentrum der
Messe.
Außerdem erzählte der ewig junge Charmeur Heesters,
der am 5. Dezember seinen 98. Geburtstag feiert, wie die widrigen
Umstände im Kriegsjahr 1944 die Dreharbeiten zum Film erschwerten.
"Man wurde kontrolliert und musste immer aufpassen, was man
sagte. Aber wir ließen uns von den Nazis den Spaß nicht
verbieten", erinnerte sich "Jopie". Aus Jux sei er
bei den Dreharbeiten in Prag sogar einmal im Kostüm seiner
Filmpartnerin Marte Harell auf die Bühne gegangen - als feine
Dame mit Fächer, Perücke und Ohrringen.
Die Originalfilmbänder der "Fledermaus" lagerten
Mitte der 40er Jahre monatelang in Bunkern, wurden dann in der DDR
gezeigt und gelangten erst in den 50er Jahren nach Westdeutschland.
Die Folgen dieser Odyssee: Verblasste, rotstichige Farben, Schrammen,
Verschmutzungen, Schlieren, Risse, fehlende Einzelbilder und störende
Nebengeräusche. "Unser Anspruch war es, Ton und Farben
möglichst originalgetreu wieder herzustellen, ohne die Charakteristik
des Films zu verfälschen", sagte Marc Schroeder von der
Degeto. Zwei alte Kopien (eine davon aus der DDR mit russischen
Untertiteln) verarbeiteten die Restaurateure mit Hilfe digitaler,
computergesteuerter Technik zu einer neuen. Die Überarbeitung
der "Fledermaus" sei günstig, verglichen etwa mit
den Kosten für die Restauration von "Casablanca",
sagte Werner Bibo, Geschäftsführer von bibo tv. "Wir
rechnen mit einem hohen sechsstelligen Betrag". (jfl)
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